1.10. - R u ß l a n d. Verteidigungsminister Sergejew bestätigt den Vorstoß russischer Einheiten auf tschetschenisches Gebiet. Ziel sei die Schaffung einer Sicherheitszone (vgl. "Blätter", 11/1999, S. 1285). Beobachter aus dem Kampfgebiet sprechen von verstärkten russischen Luftangriffen auf mutmaßliche "Rebellenstützpunkte" in der Kaukasusrepublik, der Strom tschetschenischer Flüchtlinge in das benachbarte Inguschetien nehme dramatisch zu. Generalstabschef Kwaschnin bezeichnet später den Aufbau einer russischen Verwaltung in der Region als ein weiteres Ziel der Militäroperation. - Am 10.10. fordert der tschetschenische Präsident Maschadow die russische Seite auf, alle Kampfhandlungen einzustellen und sich aus den bereits eroberten Teilen Tschetscheniens zurückzuziehen. Die Stationierung einer Friedenstruppe im Kaukasus solle künftig die Grenzüberschreitungen illegaler Banden verhindern, die zum Einmarsch der russischen Streitkräfte geführt hatten. Der russische Ministerpräsident Putin weist am 11.10. die Forderungen und Vorschläge aus Grosny zurück. Verhandlungen könnten erst beginnen, wenn Tschetschenien die Verantwortlichen für den Angriff auf Dagestan und den Bombenterror in russischen Städten ausliefere.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.