Ausgabe März 2000

Rambouillet, ein Jahr danach

Der Schlossplatz der französischen Kleinstadt Rambouillet bei Paris am Morgen des 6. Februar 1999. Mit Sprechchören und rotschwarzen Fahnen lassen rund 200 Albaner aus dem Kosovo ihre Unabhängigkeitsbewegung UÇK hochleben: Unterstützung für die kosovo-albanische Delegation, die seit dem Vorabend hinter den dicken Schlossmauern unter internationaler Vermittlung mit Vertretern der Regierung Serbiens über die Zukunft des Kosovo verhandelt. Nach Rambouillet begeben hatten sich die beiden Konfliktparteien nur unter erheblichem Druck der Balkan-Kontaktgruppe. In dieser Gruppe koordinierten die sechs führenden Staaten von UNO, NATO und EU - die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien - seit Mai 1998 die internationalen Bemühungen zur Beilegung des Kosovo-Konflikts. Eine Woche vor Verhandlungsbeginn einigten sich die Außenminister der Kontaktgruppe in London auf einen rund 30seitigen Entwurf für ein Abkommen zwischen Serben und Albanern. Danach sollte die 1989 vom Belgrader Regierungschef Slobodan Milosovic aufgehobene Autonomie des Kosovo wiederhergestellt werden, die Provinz aber ein Teil des von Serbien und Montenegro gebildeten Staates Jugoslawien bleiben.

Der britische Außenminister Robin Cook unterstrich die Entschlossenheit der Kontaktgruppe.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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