Nur wer erwartet hatte, daß die amenkanisch-israelisch-palästinensische Klausur von Camp David ein Abkommen produzieren würde, das die offenen Endstatusfragen des israelisch-palästinensischen Verhältnisses regelt, konnte vom Ausgang des Treffens enttäuscht sein, das Ende Juli mit einer einfachen gemeinsamen Erklärung abgebrochen wurde. Realistisch schien bestenfalls ein Zwischenabkommen über einige der strittigen Punkte - Grenzfragen, Siedlungen, Flüchtlinge oder Jerusalem. Auch ohne eine solche Vereinbarung haben die Delegationen ihre Zeit keineswegs vertan. Das Treffen von Camp David hat viel mehr einige der von israelischer Seite gepflegten Tabus gebrochen und damit einen Stand erreicht, der sich in weiteren Verhandlungen kaum unterschreiten läßt. Beide Seiten verhandelten auf der Grundlage, das nichts vereinbart ist, so lange nicht alles vereinbart ist. Die Erfahrung anderer arabisch-israelischer Verhandlungen aber lehrt, daß auch hypothetische oder konditionierte Konzessionen, die auf dieser Basis getestet werden, als Element zukünftiger Verhandlungsoptionen präsent bleiben.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.