Ausgabe Februar 2002

Bioethik der Interessen

Die Würde des menschlichen Lebens ist zum Abstimmungsgegenstand geworden. Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder installierte Nationale Ethikrat hat Ende vergangenen Jahres das gewünschte und erwartete Votum abgegeben. Mit deutlicher Mehrheit sprach sich der Expertenzirkel für den Import menschlicher embryonaler Stammzellen nach Deutschland aus. Nur ein paar Tage zuvor war die Beratungskommission des Bundestages genau zu dem entgegengesetzten Ergebnis gekommen. Was ist davon nun zu halten? Embryonale Stammzellen sind Alleskönner. Aus ihnen wollen Forscher Ersatzgewebe und Zellen für Schwerkranke züchten. Das ist die Vision.

Therapie oder gar Heilung sind derzeit aber nur Zukunftsversprechen. Und: Momentan geht es alleine um Grundlagenforschung. Das ethische Dilemma besteht nun darin, dass menschliche Embryonen getötet werden müssen, um überhaupt erst einmal an die embryonalen Stammzellen heranzukommen. Darüber wird heftig und zum Teil grundsätzlich-fundamentalistisch - gestritten. Denn dahinter steht die Kardinalfrage: Welcher moralische und juristische Status kommt einem Embryo zu? Und: Darf Leben so überhaupt gegen Leben abgewogen werden? Aber noch bevor sich Politik und Gesellschaft zu einer Entscheidung im Umgang mit den brisanten biomedizinischen Fragen durchgerungen haben, gibt die Praxis bereits immer mehr Antworten - schafft die Wissenschaft Fakten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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