Ausgabe Februar 2002

Bioethik der Interessen

Die Würde des menschlichen Lebens ist zum Abstimmungsgegenstand geworden. Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder installierte Nationale Ethikrat hat Ende vergangenen Jahres das gewünschte und erwartete Votum abgegeben. Mit deutlicher Mehrheit sprach sich der Expertenzirkel für den Import menschlicher embryonaler Stammzellen nach Deutschland aus. Nur ein paar Tage zuvor war die Beratungskommission des Bundestages genau zu dem entgegengesetzten Ergebnis gekommen. Was ist davon nun zu halten? Embryonale Stammzellen sind Alleskönner. Aus ihnen wollen Forscher Ersatzgewebe und Zellen für Schwerkranke züchten. Das ist die Vision.

Therapie oder gar Heilung sind derzeit aber nur Zukunftsversprechen. Und: Momentan geht es alleine um Grundlagenforschung. Das ethische Dilemma besteht nun darin, dass menschliche Embryonen getötet werden müssen, um überhaupt erst einmal an die embryonalen Stammzellen heranzukommen. Darüber wird heftig und zum Teil grundsätzlich-fundamentalistisch - gestritten. Denn dahinter steht die Kardinalfrage: Welcher moralische und juristische Status kommt einem Embryo zu? Und: Darf Leben so überhaupt gegen Leben abgewogen werden? Aber noch bevor sich Politik und Gesellschaft zu einer Entscheidung im Umgang mit den brisanten biomedizinischen Fragen durchgerungen haben, gibt die Praxis bereits immer mehr Antworten - schafft die Wissenschaft Fakten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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