Ausgabe Juli 2002

Katzenjammer in Madrid

Eine zweite Umarmung kann selten so herzlich sein wie die erste. Deswegen durfte man sich vom Madrider Gipfeltreffen im Mai 2002 zwischen der EU und Lateinamerika keine Überraschungen erwarten. Die politischen Tupfer, welche die Tagungsroutine abdriften ließen, müssen allerdings beunruhigen. Erinnern wir uns: Europa und Lateinamerika ergeben eine alte Beziehungskiste. Bereits 500 Jahre dauert die historische - wenngleich asymmetrische Partnerschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Europas Integration Gestalt anzunehmen begann, insinuierte Lateinamerika, inzwischen fest in das von den USA dominierte panamerikanische System eingebunden, auf eine neue, eine substanzielle Partnerschaft, als diagonale Kooperation zweier geographischer Subsysteme, die beide gegenüber Washington mehr Autonomie wünschten.

Europa - das Europa von Brüssel - stellte sich lange taub und bot Austausch lediglich im Rahmen seiner globalen Entwicklungspolitik an. Erst in den 80er Jahren, als Brüssel in der mittelamerikanischen Krise politisch Profil zeigte und Spanien sowie Portugal als neue EU-Mitglieder den diagonalen Blick über den Atlantik intensivierten, ergaben sich handfeste Annäherungen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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