Ausgabe April 2003

Sittenwidrige Schulden

Mehr als die Hälfte der argentinischen Bevölkerung lebt derzeit unter der Armutsgrenze. Im fünftgrößten Agrarexportland der Welt gelten 260 000 Kinder als unterernährt. Nachdem sich Argentinien zum Jahreswechsel 2001/02 binnen kürzester Zeit dreier Präsidenten erledigte, setzt sich die Spirale von Negativmeldungen über die ökonomische Situation des lateinamerikanischen Landes fort. Denn das Land belastet eine gigantische Auslandsschuld, die vornehmlich auf die Zeit der Militärs zurückgeht. War Argentinien zuvor ein relativ reiches Land der Peripherie, stieg seine Auslandsverschuldung in der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) um 360 % auf nunmehr 160 Mrd. US-Dollar. Groben Schätzungen zufolge entspricht das Dollarvermögen der Argentinier im Ausland oder in lokalen Bankschließfächern dem Wert der gesamten Auslandsschulden.[1]

Regimeschulden 

Wie stark nun auch immer die wirtschaftspolitischen Maßnahmen des postdiktatorialen Argentiniens als Begründung für die aktuelle Schuldensituation herhalten müssen: Die maßgebliche Ursache der Schuldenkrise ist die Verschuldung Argentiniens durch das Militärregime, dem mehrere zehntausend Menschen zum Opfer fielen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo