Ausgabe Oktober 2005

Warum Thatcherismus auf Deutsch nicht geht

Zur Besonderheit der bundesdeutschen Situation

Die mögliche Kanzlerschaft Angela Merkels lädt allzu leicht zu Vergleichen mit Margaret Thatcher ein und damit – fatalerweise – zu Hoffnungen auf die „Segnungen“ der neo-liberalen Modernisierung britischer Couleur. Der Vergleich ist albern. Auch wenn Merkel und Thatcher aus derselben ideologischen Ecke stammen und ähnlichen Behauptungswillen an den Tag legen, sieht sich die CDU-Politikerin im Jahre 2005 ganz anderen Herausforderungen gegenüber als Margaret Thatcher im Jahre 1979. Sie muss auch innerhalb eines viel schwierigeren innen- wie außenpolitischen Kontextes manövrieren. Die brutale Durchsetzung einer neoliberalen Radikalkur in einem zentralistischen Staat ohne geschriebene Verfassung, der (damals) zudem den unglaublichen Vorteil erheblicher Mengen Nordseeöls hatte, lässt sich im heutigen Deutschland somit nicht nachahmen. Zum Glück möchte man sagen, betrachtet man die üblen Folgen dieser „Kur“, die die britische Gesellschaft seitdem belasten, aber Deutschland erspart bleiben sollten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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