Ausgabe November 2005

Österreich postneutral?

Im Jubiläumsjahr 2005 wird in der Republik Österreich einiges gefeiert: 60 Jahre Zweite Republik, 50 Jahre UNMitgliedschaft, 50 Jahre Bundesheer und zehn Jahre EU-Mitgliedschaft, aber vor allem: 50 Jahre Staatsvertrag. Auffällige Zurückhaltung zeigt die Regierung jedoch beim Feiern zweier anderer Jubiläen, dem 100. Jahrestag der Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner und dem 50. Jahrestag jenes Beschlusses des österreichischen Nationalrates, welcher – nach dem Vorbild der Schweiz – Neutralität zum außenpolitischen Grundkonzept der Republik erhob.

Dabei war es in besonderem Maße die Neutralitätsverpflichtung, die Österreich 1955 überhaupt erst zu seinem Staatsvertrag verhalf. Zudem spielte sie im Kalten Krieg eine maßgebliche Rolle: Sie wurde zu der entscheidenden Grundlage der aktiven Friedenspolitik Österreichs, insbesondere im Nahen Osten, wie auch für wichtige Treffen im Rahmen der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Als Basis für einen aktiven Multilateralismus trug die Neutralität Österreichs entscheidend zum Aufbau des UN-Standortes Wien bei. Auch im Rahmen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), deren Schlussakte vor exakt 30 Jahren in Helsinki verabschiedet wurde, spielte das neutrale Österreich keine unbedeutende Rolle, was den Aufbau einer Dependance der KSZENachfolgeorganisation OSZE in Wien zur Folge hatte.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema