Ausgabe Februar 2009

Private Realitäten

25 Jahre Privatfernsehen – gibt es da tatsächlich etwas zu feiern? Sollen wir dankbar sein, dass Dieter Bohlen vermeintliche Supertalente knechtet oder Dirk Bach im Pseudo-Dschungel abgehalfterten C-Promis Känguru-Penis-Colada serviert?

Die Einführung von RTL und SAT.1 im Jahr 1984 wird auch heute noch als der Beginn eines neuen Medienzeitalters gefeiert. Doch mit dem Zappen – schließlich war fortan die Fernbedienung voll einsatzfähig – hat das Privatfernsehen rückblickend vor allem unsere Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität verändert.

Die Kohl-Regierung versprach sich damals viel von der „Verkabelung der Republik“. Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling kündigte vollmundig den „größten arbeitsschaffenden Impuls für die Wirtschaft“ an und zugleich hofften die Konservativen, den vermeintlichen „Rotfunk“ mancher öffentlich-rechtlicher Landesanstalten zu stören. Das erregte die Kritiker – und den politischen Gegner. Der damalige SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz prognostizierte „eine Spirale der Programmverflachung“. Ausgerechnet der medial omnipräsente „Altkanzler“ Helmut Schmidt befürchtete zudem ein „manipulierbares TV-Image der Politiker“.

Die neuen Angebote der Privaten wurden daher mit einer Mischung aus Argwohn, Abscheu und Faszination verfolgt.

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