Ausgabe Dezember 2009

Netzfernsehen made in USA

In der bundesdeutschen Medienwelt sorgte unlängst das Ende der „Netzeitung“ für Aufregung. Nachdem die britische Mecom Group die „Netzeitung“ 2007 gekauft hatte, um sie mit der „Berliner Zeitung“ zu verbinden, übernahm der Kölner Verlag DuMont Schauberg mit dem Kauf des Berliner Verlages Anfang 2009 dieses Projekt. Nun gab der Verlag in knappen Worten die Einstellung bekannt: „In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich [...] nicht zu betreiben.“ Nach exakt acht Jahren redaktioneller Produktion soll anstelle der „Netzeitung“ nun ein automatisiertes Nachrichtenportal entstehen.

Warum die Zeitung scheitern musste, wird deutlich, wenn man Entwicklungen berücksichtigt, die zurzeit in der amerikanischen Gesellschaft stattfinden. In den letzten Jahren haben dort Internet-basierte Medienprojekte einen demokratischen Aufbruch erzeugt. Leider wird hierzulande darüber fast gar nicht berichtet. Ein schon etwas älteres Beispiel hierfür bietet „Democracy Now!“, ein von Amy Goodman und Juan Gonzalez geleitetes Fernseh- und Radioprogramm im Netz, das sich über Spenden finanziert und als alternative Nachrichtenquelle große Resonanz gerade in progressiven Kreisen findet. Ein zweites, jüngeres Beispiel ist der neue unabhängige Fernsehsender „The Real News“, der in den USA und Kanada aufgebaut wird und zu tagesaktuellen Themen kritische Kurzfilme anbietet.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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