Ausgabe Januar 2011

Journalisten im Fadenkreuz

Wer hat schon mal etwas von einem „Daniel Pearl Memorial Day“ gehört? Seit 2002 lädt die „Daniel-Pearl-Foundation“ alljährlich im Oktober zu den World Music Days ein. Mit diesen Musik-Veranstaltungen sollen Toleranz und Verschiedenheit gefeiert werden, und sie sollen auch an jenen amerikanisch-jüdischen Journalisten erinnern, der für das „Wall Street Journal“ arbeitete und im Jahr 2002 in Pakistan entführt wurde. Über Daniel Pearl und die entsetzlichen Details seiner Hinrichtung im pakistanischen Karatschi hat seine Frau ein bewegendes, wenn auch leicht kitschiges Buch geschrieben (Mariane Pearl, Ein mutiges Herz, Frankfurt am Main 2005), das ein paar Jahre später mit Angelina Jolie in der Hauptrolle verfilmt wurde. Aber trotz des riesigen Medienrummels um Buch und Film ist eigentlich nichts Bemerkenswertes vom eigentlichen Inhalt in Erinnerung geblieben.

Vielleicht sind es inzwischen ja einfach zu viele Journalisten, die wie Daniel Pearl entführt, mit dem Tode bedroht oder ohne jede Drohung brutal hingerichtet werden, nur weil ihre Arbeit Diktatoren, fundamentalistischen Gruppen und – das immer mehr – den Bossen von Drogenkartellen nicht gefällt oder weil schlicht Rache an „ihren“ Regierungen genommen werden soll. Vielleicht sind wir aber auch schon zu sehr abgestumpft und können uns deshalb die einzelnen Fälle immer weniger merken.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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