Ausgabe August 2011

Effizienz versus Suffizienz: Das grüne Schisma

Der von einer großen Mehrheit getragene Beschluss des Bundestages, bis 2022 aus der Atomkraft auszusteigen, zeigt, dass ökologische Forderungen heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Bei aller berechtigten Freude über diesen Sieg der Umweltbewegung gerät jedoch in den Hintergrund, dass mit Blick auf Nachhaltigkeit, Klimaschutz und ökologische Politik nach wie vor kein gesellschaftlicher Konsens besteht. Im Gegenteil: In der Nachhaltigkeitsdebatte zeichnet sich derzeit ein Schisma ab – eine fundamentale Spaltung zwischen dem Lager der Effizienzrevolutionäre und Technikoptimisten und dem der Protagonisten der Suffizienz und des Kulturwandels.

Die Effizienzanhänger setzen ganz und gar auf die segensreiche Wirkung von Ökotechnik, grünem Wachstum und einem Lebensstil, der sich ressourcenintelligent gibt. Ihr Credo ist die Entfesselung der Produktivkräfte durch Ökoinnovationen. Das schöpferische Vermögen des Kapitalismus soll auf die richtigen Ziele programmiert werden: Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Elektromobilität und nachhaltige Chemie sind derzeit die Renner im „Green New Deal“, der Genuss ohne Reue verspricht und allerorten Marktchancen erblühen sieht. Von Wachstumsgrenzen, Verzicht und Schrumpfungserfordernissen will man hier nichts mehr hören. Mit so etwas verschrecke man die Menschen nur und werde im politischen Alltag angreifbar.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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