Ausgabe Juli 2026

Abschied vom Deutschen Kapitalismus

Vom fossilen zum demokratischen Wachstum

Innenansicht vom Autoturm in Wolfsburg, 28.4.2016 (IMAGO / IPON)

Bild: Innenansicht vom Autoturm in Wolfsburg, 28.4.2016 (IMAGO / IPON)

Die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft ist in aller Munde und befeuert eine Debatte um die Finanzierbarkeit des Sozialstaates. Darüber gerät aber aus dem Blick, was die eigentlichen Ursachen dieser Entwicklung sind: Das deutsche Wirtschaftsmodell befindet sich in einer tiefen Krise.

Es waren schlechte Nachrichten, mit denen die sogenannten Wirtschaftsweisen Ende Mai aufwarteten. Das Beratergremium der Bundesregierung halbierte die Konjunkturprognose nahezu und erwartet nun ein Wachstum von bloß 0,5 Prozent.1 Dabei spielen die Folgen des Irankriegs, vor allem die Blockade der Straße von Hormus, eine Rolle. Doch dürfte es sich bei der gegenwärtigen Krise des »Deutschen Kapitalismus« um weit mehr als eine Konjunktur- oder Strukturkrise handeln.2 Alle vier Stützen dieses industriebasierten, exportorientierten, korporatistisch regulierten und fossil fundierten Entwicklungsmodells erodieren.3

Die deutsche Industrie konnte ihren hohen Anteil an der Bruttowertschöpfung lange durch technologischen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern und einen hohen Grad an Spezialisierung aufrechterhalten. Doch insbesondere im Automobil- und Maschinenbau haben die Industrien anderer Staaten (allen voran Chinas) inzwischen große Technologiesprünge und Spezialisierungszuwächse vorzuweisen, wodurch die deutsche Wirtschaft ihre bisherigen Vorteile zusehends verliert.

»Blätter«-Ausgabe 7/2026

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Aktuelle Ausgabe Juli 2026

In der Juli-Ausgabe zeigt Jan Niklas Reiche auf, was die demokratischen Parteien bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt noch tun müssen, um eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Thomas Assheuer seziert die essayistischen Elaborate von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und legt offen, worum es ihm im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienst eines dezidiert antiliberalen Christentums. Klaus Lederer beschreibt, wie eine autoritäre Internationale gegen queere Menschen und die von ihnen erkämpften Rechte mobil macht. Jan Schlemermeyer plädiert für eine antifaschistische Sicherheitspolitik, die Demokratie als Kernanliegen begreift. Winfried Thaa erinnert an das Gründungsereignis der neuzeitlichen Demokratie – die Amerikanische Revolution und Verfassungsgebung vor 250 Jahren –, die heute durch Donald Trump ausgerechnet am Ort ihrer Entstehung zerstört zu werden droht. Stefan Messingschlager erläutert, was die bilaterale Stabilisierung zwischen Trump und Xi Jinping für Europa bedeutet. Paul Starzmann ergründet, wie weit Wladimir Putins Einfluss in Afrika tatsächlich reicht. Und Friederike Otto erklärt mit Jürgen Habermas, warum die Demokratie zur Bekämpfung der Klimakrise unabdingbar ist. 

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