Eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus
Bild: Mitglieder der Initiative »Deutsche Wohnen und Co enteignen« feiern mit Sekt in Berlin, 28.6.2023 (IMAGO / IPON)
Angesichts der gegenwärtigen Weltlage brauchen emanzipatorische Kräfte viel Energie und einen langen Atem. Dafür sind Konzepte unabdingbar, die, ausgehend von einer nüchternen Analyse der Situation, strategische Horizonte öffnen. Degrowth, Buen Vivir, Vergesellschaftung oder Care Revolution sind Beispiele für mobilisierungsfähige Entwürfe. Eine Leitidee, die vielen dieser Konzepte zugrunde liegt, ist der radikale Reformismus. Welchen Gebrauchswert hat dieser aktuell für progressive Politik?
Es gilt in großen Teilen der akademischen, politischen und gesellschaftlichen Linken als Common Sense, dass die Überwindung der herrschenden gesellschaftlichen und internationalen Ordnung zunehmend zu einer existenziellen Notwendigkeit wird. Für weite Teile der Welt ist das ebenfalls nichts Neues. Das gilt vor allem für den Globalen Süden. Von den ersten kolonialen Expansionen bis zum heutigen Neokolonialismus hat der Kapitalismus dort unendliches Leid angerichtet. Insofern war er für einen Großteil der Menschheit schon immer eine Existenzfrage. Heute ist die Notwendigkeit, den Kapitalismus zu überwinden, zu einer globalen geworden. Die ökologische Krise ist der Gamechanger. Sie entzieht der kapitalistischen Produktionsweise tendenziell ihre Grundlagen, zumindest dem »Kapitalismus, wie wir ihn kennen«.