Ausgabe Juni 2013

Der Island-Saga jüngster Teil

Am 27. April dieses Jahres haben die Insulaner im hohen Norden Europas ihre rot-grüne Regierung krachend abgewählt. Über die Hälfte der Stimmen und Parlamentssitze haben Sozialdemokraten und Grüne verloren, die seit April 2009 in Island am Ruder waren. Ihr Stimmenanteil fiel von über 50 auf unter 25 Prozent, die Sozialdemokraten stürzten von 19 auf 9, die Grünen von 11 auf 7 Sitze im Althing. Das ist die härteste Niederlage, die je eine isländische Regierung einstecken musste. Die Parteien der Rechten, die Progressive Partei und die Unabhängigkeitspartei, sind mit 24,4 und 26,7 Prozent (jeweils 19 Sitzen) die strahlenden Wahlsieger, sie bilden die nächste Regierung.

Verkehrte Welt: Die Isländer haben genau die Koalition aus dem Amt gejagt, die das Land seit 2009 aus der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte geführt hat; sie haben genau jene Parteien wieder ins Amt gehoben, die sie 2009 abgestraft hatten – und zwar zu Recht, denn die rechte Koalition war seit 1995 für ebenjene Politik verantwortlich, die die Insel in die Finanzkatastrophe von 2008 hineingesteuert hatte.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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