Ausgabe Mai 2017

Das Proletariat: Vom revolutionären Popanz zum reaktionären Pöbel

In der Januar-Ausgabe skizzierte »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik das neue »reaktionäre Subjekt«, nämlich das einstige Proletariat, auf seinem Weg zum Pöbel. Dagegen wendet sich scharf der Soziologe Ulrich Weigel.

Im November 1847 gab der Bund der Kommunisten bei Karl Marx und Friedrich Engels eine Arbeit in Auftrag, die als Parteiprogramm in theoretischer und praktischer Hinsicht fungieren sollte. Gesucht war ein Pamphlet, das die theoretischen Erkenntnisse auf den Punkt bringt und der revolutionären Bewegung im politischen Kampf den Weg weist. Mit dem im Februar 1848 erschienenen „Kommunistischen Manifest“ ist Marx und Engels dies durchaus geglückt: Das Manifest, in Dutzenden Auflagen gedruckt, wurde zu einem der wichtigsten Parteiprogramme der Weltgeschichte.

Auch heute, rund 170 Jahre nach Erscheinen des Manifests, ist seine Zugkraft noch immer beachtlich. Und doch ist es nunmehr ein Leichtes, das Versagen der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt zu konstatieren. Ganz offensichtlich blieb der Umsturz der bürgerlichen Verhältnisse durch das Proletariat aus. Auch Micha Brumlik stellt fest, dass es seine als unvermeidlich apostrophierte geschichtliche Mission nicht erfüllt hat.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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