Ausgabe September 2017

Chavismo critico: Die Zukunft Venezuelas?

Venezuela hat einen blutigen Sommer hinter sich: Seit April demonstriert die Opposition gegen die Regierung, der sie Misswirtschaft und Korruption vorwirft. Mehr als 130 Menschen starben bei den Protesten, rund 3500 Menschen wurden verletzt und mehr als 1000 inhaftiert. Aus Sicht vieler Beobachter scheint die Lage klar: Präsident Nicolás Maduro schwingt sich zum Diktator auf, die venezolanische Demokratie ist am Ende. In der Tat steht die Anfang August auf Maduros Initiative hin einberufene verfassungsgebende Versammlung über allen anderen Regierungseinrichtungen – über der Nationalversammlung, den Ministerien und Behörden, aber auch über dem Präsidenten. Sie besetzte das Gebäude des von der Opposition kontrollierten Parlaments und verwehrte deren Abgeordneten den Zugang.

Die Realität ist jedoch weitaus komplexer. Zwar zeigt die jüngste Entwicklung, dass sich im Regierungslager endgültig jene Fraktion durchgesetzt hat, die ihre Macht um jeden Preis bewahren will. Allerdings kämpft in Venezuela längst nicht mehr eine revolutionäre Regierung des Volkes gegen die Oligarchie, sondern vielmehr eine neue herrschende Klasse gegen die alte. Wer sich zwischen diesen verhärteten Fronten bewegt, stößt daher kaum noch auf Gehör.

Die Ursachen der aktuellen politischen Krise reichen weit zurück.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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