Ausgabe April 2025

Grönland: Unabhängigkeit oder feindliche Übernahme

Menschen protestieren vor dem US-Konsulat in Nuuk unter dem Slogan »Grönland gehört den Grönländer:innen«, 15.3.2025 (IMAGO / Ritzau Scanpix / Christian Klindt Soelbeck)

Bild: Menschen protestieren vor dem US-Konsulat in Nuuk unter dem Slogan »Grönland gehört den Grönländer:innen«, 15.3.2025 (IMAGO / Ritzau Scanpix / Christian Klindt Soelbeck)

Die größte Insel der Welt steht vor einem Regierungswechsel: Bei den jüngsten Wahlen zum grönländischen Parlament am 11. März wurde die liberale Partei Demokraatit mit knapp 30 Prozent der Stimmen überraschend stärkste Kraft, sie konnte ihr Ergebnis der vorangegangenen Wahl mehr als verdreifachen. Ihr Vorsitzender, der 33-jährige Jens-Frederik Nielsen, wird wohl nächster Ministerpräsident Grönlands. Auch die unabhängigkeitsorientierte Naleraq-Partei legte deutlich zu und kam auf 24,5 Prozent. Die Parteien der bislang regierenden Koalition – die links-grüne Inuit Ataqatigiit sowie die sozialdemokratische Siumut – landeten dagegen auf dem dritten und vierten Platz. Interessanter als dieses Ergebnis ist jedoch die Frage, warum eine Wahl in dem zu Dänemark gehörenden Territorium mit seinen 56 000 Einwohnern überhaupt internationale Aufmerksamkeit erregte. 

Seit Trump vor seiner zweiten Amtseinführung ankündigte, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen – diesmal notfalls mit militärischem Druck –, steht die Insel im globalen Fokus. Die Aufmerksamkeit begann, als Trumps Sohn Donald Junior am 7. Januar mit einer Entourage in Nuuk landete, um Propagandavideos von angeblich Trump-begeisterten Grönländern für seine Social-Media-Kanäle aufzunehmen. Er sammelte sozial benachteiligte Menschen vor einem Einkaufszentrum ein, setzte ihnen MAGA-Mützen auf und lud sie für ein paar gute Bilder zum Essen ein.

»Blätter«-Ausgabe 4/2025

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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