Ausgabe Februar 2026

Düstere Dialektik

Über Meritokratie und Technofaschismus

Peter Thiel und andere Tech-Ideologen verachten Universitäten wegen ihrer Maßnahmen zur Förderung von benachteiligten Minderheiten. Es geht ihnen aber nicht nur darum, Menschen ausschließlich nach Leistung und IQ zu beurteilen. Letztlich ist für sie das vernunftbegabte Wesen Mensch bloßes biologisches Material, in das stets neu zu investieren ist, um schließlich einen »technologischen Übermenschen« zu schaffen.

Opake Zulassungsstandards haben Meritokratie und Exzellenz an vielen amerikanischen Universitäten verdrängt. Als Konsequenz wird qualifizierten Studierenden aufgrund subjektiver und oberflächlicher Kriterien die Möglichkeit zur Bildung verwehrt. Ohne Meritokratie sind die Campusse zu Brutstätten für Extremismus und Chaos geworden.« Diese Zeilen sind keinem rechten Blog oder Substack-Newsletter entnommen, der sich in die fantasielose Kritik an den zu »woken« Universitäten einzuschreiben sucht. Sie stammen aus einem Stellenangebot von einer der wichtigsten Firmen der Welt: Palantir Technologies. 

Das von Peter Thiel mitgegründete und aktuell wohl einflussreichste Unternehmen des Techsektors bewirbt damit sein »Meritocracy Fellowship«, eine Art Praktikumsprogramm, das unter dem Rubrum »College is broken«[1] seit April 2025 potenzielle Bewerber:innen davon zu überzeugen versucht, learning on the job dem Uniabschluss vorzuziehen, kurz: »Überspring die Schulden. Überspring die Indoktrinierung. Hol dir den Palantir-Abschluss.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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