Bild: Eine Person mit verschwommenem Gesicht sitzt am Laptop (Road Ahead via unsplash.com)
Als ihre Eltern im Oktober 2024 nicht zu Hause sind, ersticht ein 13-jähriges Mädchen in Leipzig-Kleinzschocher ihre siebenjährige Schwester. Auf den ersten Blick erscheint die Tat wie ein unglaubliches, sinnloses Verbrechen – doch die 13-Jährige wurde offenbar zuvor von einem brutalen Onlinenetzwerk unter Druck gesetzt. Auf ihren Geräten fanden Ermittler erpresserische Nachrichten. »Wir wissen, wo deine Familie wohnt, und wir kennen all deine Familienmitglieder«, fassten Ermittler einem »Spiegel«-Bericht zufolge die Drohungen zusammen. »Wenn du nicht tust, was wir sagen, bringen wir euch alle um.«1
Die Tötung des Mädchens geht vermutlich auf das Konto des digitalen internationalen Netzwerks »764«. Dessen Mitglieder, die oft selbst noch minderjährig sind, wetteifern darum, verletzliche Kinder und Jugendliche auf Gaming-Plattformen wie Discord oder in sozialen Netzwerken wie Instagram, Tiktok oder Telegram anzusprechen und zu manipulieren. Teils unter falschen Identitäten gewinnen sie ihr Vertrauen, um sie dann zu erpressen, die Minderjährigen zu sexualisierten Aufnahmen, Selbstverletzungen, Suiziden oder Gewalttaten und sogar Morden an anderen Kindern und Jugendlichen zu verleiten – als Foto oder Video dokumentiert oder direkt im Livestream. Je extremer die Taten sind, desto höher ist der Status der Anstifter:innen in den Netzwerken – wie bei einem perversen Spiel, bei dem die Punktzahl mit jedem Gewaltakt steigt.