Ausgabe September 2013

Venedig im Ausverkauf: Von der Serenissima zur Benettown

Den Auftakt zur diesjährigen 70. Film-Biennale in Venedig machte ein 50 Jahre alter, aber noch immer hochaktueller Film – nämlich „Le mani sulla città“ („Hands over the city“), die restaurierte Fassung von Francesco Rosis berühmter Anklage gegen die gnadenlose Verstrickung von Politik und Wirtschaft im Nachkriegs-Neapel. Die Folgen solcher Verstrickung sind auch in Venedig heute offensichtlich. Im Juli ließ die Staatsanwaltschaft 14 führende Unternehmer des Consorzio Venezia Nuova festnehmen, nach Ermittlungen gegen über 100 Verdächtige im ganzen Land. Dieses riesige Firmenkonsortium hat seit rund drei Jahrzehnten die Großprojekte der Stadt fest in seinem Griff. Das Consorzio plant, führt aus, kassiert und hat auch noch die Kontrolle über alles – entgegen jeglichen europäischen Normen.

Sein seit Beginn stark umstrittenes Mammutprojekt zum erhofften Schutz vor steigendem Hochwasser in der Lagune – mit dem vertrauenheischenden Namen MoSE (Experimentelles elektromechanisches Modul) – befindet sich bereits seit 2003 im Bau. Berlusconi höchstpersönlich tat damals medienwirksam den ersten Spatenstich. Gegner halten die Anlage bestenfalls für nutzlos, sofern nicht für schädlich. Doch auch früherer Widerstand gegen MoSE seitens der Stadtregierung unter Bürgermeister Massimo Cacciari verpuffte folgenlos.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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