Ausgabe April 2014

Die Care-Revolution: Was ist uns Fürsorge wert?

Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, sondern sind auch nach wie vor für den Großteil der Reproduktionsarbeit zuständig: für den Haushalt, die Kindererziehung und die Pflege Angehöriger. Um diese sexistische Arbeitsteilung zu beenden, braucht es eine radikale Neubewertung fürsorglicher Arbeit, fordert Sebastian Dörfler.

Der erste Vorstoß der neuen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig war einer jener Momente, in denen das Wort „Reform“ kurzzeitig seinen krisenbehafteten Schrecken ablegte und eine fast schon vergessene Bedeutung annahm: die „Reform“ als kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Schwesig hatte Anfang Januar vorgeschlagen, eine 32-Stunden-Woche für Eltern bei steuerfinanziertem Lohnausgleich einzuführen. Für kurze Zeit schien es, als nähme endlich jemand ernst, dass die Familie ein Ort ist, an dem Kinder erzogen und Angehörige gepflegt werden müssen – und dass es dafür auch Zeit sowie eine finanzielle Absicherung braucht.

Doch die Freude über den Reformvorschlag währte nur kurz. Denn bereits einen Tag darauf kassierte Regierungssprecher Steffen Seibert den Vorstoß Schwesigs als „persönlichen Debattenbeitrag“ wieder ein.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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