Ausgabe Juni 2014

Boko Haram: Nigerias entfesseltes Monster

Die Terroristen kamen mit Gewehren und Granaten, Lastwagen und einem Bus. Ihr Attentat war gut vorbereitet. In der Nacht zum 15. April stürmten die Angreifer das örtliche Mädcheninternat, die staatliche Secondary Girls School, in der kleinen Ortschaft Chibok im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias und trieben die Schülerinnen der Abschlussklassen zusammen. Mehr als einen Monat später fehlt von den 243 Mädchen jede Spur, und das obwohl nach einem Aufschrei der Entrüstung in Nigeria und auch im Westen Drohnen und Entführungsspezialisten aus den USA, Großbritannien und Frankreich an der Suche teilnehmen. Gut drei Dutzend Mädchen, die sich irgendwie selbst befreien konnten – einige bei einer Lastwagenpanne –, sind die einzigen, die von ihrer Verschleppung berichten können, verübt durch die Gruppe, die seit einigen Jahren für Angst und Schrecken in Afrikas bevölkerungsreichster Nation sorgt: Boko Haram. 

Brutalität im Namen des Heiligen Krieges

Wer steckt hinter der Bewegung, deren selbst ernannter Sprecher Abubakar Shekau in einem Video behauptet, er wolle die Mädchen auf dem Markt verkaufen? Mit vollem Namen heißt sie „Sunnitische Bruderschaft in Ausführung des Heiligen Krieges“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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