Ausgabe Februar 2015

Revolution auf eigene Rechnung: Kubas neue Arbeitswelt

Mit ihrem einstündigen Telefonat am 16. Dezember 2014 haben Barack Obama und Raúl Castro Geschichte geschrieben: Es war der erste direkte Kontakt zwischen einem kubanischen Staatsoberhaupt und einem US-Präsidenten seit der kubanischen Revolution. Im Anschluss erklärte Obama die Strategie der Isolation für gescheitert, während Raúl Castro in einer zeitgleich ausgestrahlten Fernsehansprache dem US-Präsidenten Respekt zollte. Damit scheint in der Karibik 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ein letztes Relikt des Kalten Krieges ins Wanken zu geraten. Nach dem Austausch politischer Gefangener werden die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und die Eröffnung von Botschaften in Havanna und Washington vorbereitet; Handelserleichterungen und ein verbesserter Informationsaustausch sollen folgen.

Zweifelsohne ist Obama und Castro mit ihrer konzertierten Aktion ein Überraschungscoup gelungen. Allerdings kam der Schritt keineswegs völlig unerwartet: Die UN-Vollversammlung verurteilt das Embargo alljährlich und auch in den USA sind die Stimmen für seine Aufhebung zuletzt immer lauter geworden – selbst unter Exilkubanern. Zugleich ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Obama für ein Ende der Blockade die notwendige Zustimmung des Kongresses erhält.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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