Ausgabe September 2015

Die Revolution des Füreinander

Es gibt Bücher, die zunächst einmal deshalb beeindrucken, weil sie von höchster handwerklicher Qualität sind. Dies ist die Voraussetzung jeder guten Arbeit, auch der intellektuellen. Die Schrift „Care Revolution“ von Gabriele Winker ist von größter Klarheit, strikt folgerichtig aufgebaut, kennt keine Längen, schweift nicht ab, ist immer informativ. Hier hat sich endlich einmal wieder jemand die Mühe gemacht, geduldig Dinge zu Ende zu denken, soweit dies in Zeiten des Umbruchs überhaupt möglich ist.

Und der Gegenstand dieses beeindruckend konsequenten Nachdenkens ist so ungeheuer wichtig, dass es einen zweiten Grund gibt, das Buch zu lesen: Es geht um nichts weniger als den Übergang von einem Wirtschaftssystem, das auf die Herstellung von Dingen, eine Kultur des Haben-Wollens und die Verwertung von Kapital gegründet ist, zu einer ganz anderen Wirtschaft und Gesellschaft. Es geht um Revolution, um die Care Revolution. Vielleicht etwas zu nüchtern heißt es in dem Band: „Care Revolution ist eine politische Transformationsstrategie, die anknüpfend an die Erkenntnisse feministischer Politik die grundlegende Bedeutung der Sorgearbeit ins Zentrum stellt und darauf abzielt, das gesellschaftliche Zusammenleben ausgehend von menschlichen Bedürfnissen zu gestalten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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