Ausgabe September 2015

Rettet Griechenland!

Es bedurfte einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion, bevor die Eurozone sich auf ein weiteres Kreditprogramm für Griechenland verständigen konnte. Doch die Einigung in letzter Minute bedeutet noch kein Ende des Dramas. Denn weitere Finanzmittel wird Athen nur im Austausch für eine noch härtere Dosis jener Austeritätspolitik erhalten, deren Scheitern seit langem offensichtlich ist. Daher dürfte das gebeutelte Land erneut nicht auf den Pfad zu einer sich selbst tragenden Wirtschaft finden. Die Grexit-Gefahr bleibt damit virulent. Sollte das jetzige Programm wie vorgesehen ausgeführt werden, wird Griechenland nach dessen Auslaufen 2018 umgehend ein viertes Paket benötigen – oder aus dem Euro ausscheiden müssen. Die Rückkehr zur Drachme aber, ob erzwungen oder freiwillig, würde dem Land ökonomisch sogar noch mehr schaden. Athen braucht daher eine Alternative jenseits von erzwungener Austerität und katastrophalem Grexit. Realistisch betrachtet, kann diese heute nur darin bestehen, das vereinbarte Programm flexibel zu gestalten.

Verlust an Demokratie

Das allerdings wäre keine einfache Aufgabe, setzt doch das dritte Programm jenen alten falschen Kurs fort, den Staat zu Lasten der Gesamtwirtschaft zu schrumpfen und dabei den ökonomischen Absturz zu produzieren.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.