Ausgabe September 2015

The New Middle Beast

Saudi-Arabien vs. Iran: Der Kampf um die Vorherrschaft im Mittleren Osten

„The New Middle Beast“ – in weißen Buchstaben zog sich dieser Schriftzug über ein blutrotes Plakat, das im Sommer 2006 in den Trümmern der südlichen Vororte von Beirut aufgestellt wurde. Nach dem sogenannten Julikrieg gegen Israel hatten die Strategen der libanesisch-schiitischen Organisation Hisbollah ein Wortspiel kreiert. Sie machten sich über den damaligen US-Präsidenten George W. Bush lustig, der angekündigt hatte, einen „New Middle East“ schaffen zu wollen. Allerdings sieht es heute so aus, als sei tatsächlich das herausgekommen, was die Hisbollah seinerzeit vorhergesagt hat: Der Nahe Osten wirkt wie eine gefährliche Bestie, die von der Leine gelassen wurde und nun nicht mehr zu bändigen ist.

Diese Entwicklung lässt sich nur durch einen regionalen Grundkonflikt erklären – das ständige Kräftemessen zwischen den beiden Regionalmächten: die Islamische Republik Iran und das Königreich Saudi-Arabien. Lange Zeit war das Kräfteverhältnis relativ ausgeglichen. Der Iran verfügte über gewichtige Partner und Einflusszonen innerhalb und außerhalb der Region; dasselbe gilt für Saudi-Arabien. Dann aber begannen im Frühjahr 2011 die „Arabellionen“ in Tunesien, Ägypten, Libyen, Bahrain, Syrien und auch im Jemen. Manche Diktatoren wurden abgesetzt – sie flohen, wurden vor Gericht gestellt oder getötet. Andere sind nach wie vor an der Macht.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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