Ausgabe Februar 2016

Die Schweiz als Chamäleon

Derweil Deutschland und Teile EU-Europas in der Flüchtlingskrise schwer zu kämpfen haben, fühlt sich in der Schweiz vor allem die reaktionäre „Schweizerische Volkspartei“ bestätigt. Kein Tag vergeht, an dem die Rechtspopulisten nicht hämisch das Scheitern der Brüsseler „Expertokratie“ an die Wand malen, an der Spitze stets Roger Köppel, medialer Jagdhund des SVP-Milliardärs Christoph Blocher. Als Besitzer und Chefredakteur der „Weltwoche“ schwadroniert der historisch ahnungslose Köppel gerne über die angeblich „jahrhundertealte Demokratie“ der Schweiz. Ohne patriotische Vernebelung betrachtet, ist diese dagegen nicht einmal 200 Jahre alt, entstanden nach einem kurzen Bürgerkrieg als einzige gelungene Revolution im tragischen Jahr 1848, als sonst europaweit alle bürgerlich-demokratischen Revolutionen scheiterten. Das und noch viel mehr kann man lernen in dem neuen Buch des emeritierten Zürcher Historikers Jakob Tanner. Demnach ist die helvetische Demokratie von 1848 eine ziemlich unvollkommene geblieben – eine „Bande gleichmäßig bewaffneter Männer“ (Tanner), die 123 Jahre lang einen Krieg (wenn auch ihren einzigen) gegen die Gleichberechtigung von Frauen führte.

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