Während der Hochzeit der Industriellen Revolution ging man davon aus, dass der ökonomische Fortschritt stetig und universell sein werde, weil die Technologie universell ist. Gleichzeitig erwarteten viele Intellektuelle, angefangen von der deutschen Historischen Schule der Nationalökonomie bis zu den Marxisten, dass Gesellschaften ihre Steuer- und Finanzsysteme reformieren würden, um die effizientesten Produktionsweisen zu unterstützen. Es schien, als werde ein natürlicher Entwicklungstrend den Lebensstandard kontinuierlich heben und eine Überflussgesellschaft hervorbringen. Die Amerikanische Schule der Ökonomen entwickelte so im 19. Jahrhundert die Effizienzlohntheorie, wonach besser ausgebildete und besser ernährte Hochlohnarbeiter für einen Arbeitgeber kostengünstiger sein können als schlechter bezahlte, aber weniger produktive Arbeiter. Daraus folgte, dass die vom Klassenkampfdenken geprägte Sichtweise britischer Industrieller, wonach die niedrigen Löhne der Arbeiter ihr wichtigster Wettbewerbsvorteil seien, falsch war. Die Steigerung der Produktivität in der Industrie erforderte eine bessere Qualifizierung der Arbeiter und die Anhebung des Lebensstandards. Auch die politischen Erwartungen waren optimistisch: Die Modernisierung der Industrie erforderte demokratische Reformen, um die Macht von Grundherren und Monopolisten zu beschneiden.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.