Ausgabe März 2017

Ägypten vor der Hungerrevolution?

Am 7. Januar dieses Jahres erschien der ägyptische Staatspräsident Abdel Fatah al-Sissi in der koptischen St.-Markus-Kathedrale im Kairoer Stadtteil Abasseya nahe der Innenstadt. Es war ein denkwürdiges, aber nicht ganz ungewöhnliches Ereignis. Im Staatsfernsehen sah man Sissi im herzlichen Gespräch mit Tawardros II., dem seit November 2012 amtierenden koptischen Papst. Die koptischen Christen feierten an diesem 7. Januar ihr Weihnachtsfest. Und die anwesenden Gläubigen feierten zugleich den Besuch des autoritär regierenden, muslimischen Generals und Staatsoberhauptes.

Der Präsident eines Landes, in dem der Islam Staatsreligion ist, zu Besuch bei den Christen? Nichts Ungewöhnliches in Ägypten, vor allem nichts Ungewöhnliches im Ägypten des Generals Sissi. Zwar leben Muslime und Christen – die etwa zehn Prozent der rund 83 Millionen Ägypter ausmachen – im Allgemeinen friedlich zusammen. Aber das herzliche Tête-à-Tête zwischen Staatsoberhaupt und koptischem Papst hat auch und vor allem eine machtpolitische Bedeutung. Denn die koptischen Christen gehören zu den zuverlässigen Unterstützern des muslimischen Herrschers.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema