Ausgabe Dezember 1990

Der Runde Tisch der Frauen

Die Diskussionen um die Problematik der Schwangerschaftsabbrüche reißen nicht ab; es wechseln lediglich die thematischen Schwerpunkte. Die aktuelle Kontroverse übertrifft aber den bisherigen Schlagabtausch zum Paragr. 218 bei weitem, seitdem es nämlich um konkrete Schritte geht, die Schwangerschaftsabbruchsregelungen für Gesamtdeutschland neu zu fassen. Dies ist wahrlich keine leicht zu lösende Aufgabe, denn wir stehen politisch vor der Situation, daß die den bundesrepublikanischen Frauen durch den Spruch des Bundesverfassungsgerichts 1975 verwehrte Fristenregelung pikanterweise in der DDR seit nahezu 20 Jahren geltendes Recht ist. Hierauf wollen weder die DDR-Bürgerinnen verzichten noch die sie vertretenden Parteien, wenn man entsprechende Verlautbarungen aus der kurzen Volkskammerära von 1990 zugrundelegt.

Andererseits können und wollen wir nicht das gänzlich unzulängliche BRD-Recht, das von den meisten Bundesbürgerinnen abgelehnt und noch dazu in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird, der DDR überstülpen. Mit anderen Worten: Der Gesetzgeber ist gefragt, um eine für Gesamtdeutschland verbindliche, praktikable Neuregelung zu entwickeln und dabei die positiven wie negativen Erfahrungen, die in der Vergangenheit sowohl in der BRD und der ehemaligen DDR wie auch im benachbarten Ausland gemacht worden sind, mit zu berücksichtigen.

Dezember 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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