Ausgabe Dezember 1990

Differenzierung und Polarisierung

Einkommensentwicklung in den 80er Jahren

"... noch nie so reich wie heute" (Blüm) 

"Der Ansturm auf die Kleiderkammern war noch nie (mit Ausnahme der Nachkriegsjahre) so stark wie heute" (Wohlfahrtsverbände).

Im Grunde sind beide Kennzeichnungen zutreffend, denn beide Aussagen beschreiben Facetten eines Gesamtprozesses, der sich sowohl durch wirtschaftliches Wachstum als auch durch verschärfte Einkommensunterschiede und dauerhafte Ausgrenzungen sozialer Gruppen auszeichnet. Im Verlauf der wirtschaftlichen Krise der 80er Jahre und des seit einigen Jahren anhaltenden Aufschwungs in der (alten) Bundesrepublik wurden und werden die Einkommen der sozialen Gruppen und Haushalte neu "durchgemischt", Abstände vergrößert, Verarmungsprozesse hingenommen und sozial- und wirtschaftspolitisch gefördert.

1. Lohnquote hinter den Stand von 1960 zurückgefallen

Gewinn- und Vermögenseinkommen, Arbeitseinkommen und Sozialeinkommen - dies sind die bedeutendsten Einkommensformen; und in dieser Reihenfolge läßt sich schon die erste grobe Abstufung in der jeweiligen Einkommenslage erkennen. Die Einkommen der Selbständigen fließen zu 75% aus Unternehmensgewinn und Vermögen; Arbeitnehmer hängen zu 85% vom Arbeitseinkommen ab; Rentner, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger müssen von dem leben, was ihnen die sozialen Sicherungssysteme bezahlen.

Dezember 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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