Ausgabe Februar 1990

Nach Pinochet

Der Triumph des Präsidentschaftskandidaten der vereinten Opposition - der 17-Parteien-Koalition der "Concertaci¢n de los Partidos por la Democracia" - stand seit Monaten außer Zweifel. Der neue Staatschef, der 71jährige Christdemokrat Patricio Aylwin, wird wie vorgesehen am 11. März sein Amt antreten. Mit 50% der Stimmen (gegen 28% für den Pinochet-Kandidaten und ExFinanzminister Hern n Büchi und 15% für den ebenfalls mehr oder weniger Pinochet-orientierten Unternehmer Francisco Err zuriz) und einer - trotz des ungerechten Wahlsystems - klaren Mehrheit der "Concertaci¢n" im Abgeordnetenhaus hat Aylwin ein klares Mandat des Volkes.

Der bevorstehende Machtwechsel wird einen langersehnten Schlußstrich unter sechzehneinhalb Jahre Diktatur ziehen - die schwärzeste Periode der chilenischen Geschichte, aber paradoxerweise auch eine der umstrittensten. Die Gefahr, daß die Militärs von neuem nach der Macht greifen könnten, ist allerdings längst nicht gebannt. Deshalb wetteifern die neuen zivilen Verantwortlichen in politischer Mäßigung, um den Streitkräften keinerlei Vorwand für einen Putsch zu liefern und gleichzeitig eine Explosion der durch die Diktatur verursachten sozialen Spannungen zu verhindern.

Februar 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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