Ausgabe August 1991

Wohin treibt die Abtreibungsdebatte?

Der Beitritt der Länder der ehemaligen DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes hat zu einer neuen Thematisierung der Abtreibungsgesetzgebung "von oben" geführt. In der DDR galt bekanntlich die in der Bundesrepublik im Februar 1975 für verfassungswidrig erklärte Fristenlösung, die Abtreibung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft legalisiert 1). Der Einigungsvertrag verpflichtet nun die Bundesregierung, für ganz Deutschland "spätestens bis zum 31. Dezember 1992 eine Regelung zu treffen, die den Schutz vorgeburtlichen Lebens und die verfassungskonforme Bewältigung von Konfliktsituationen schwangerer Frauen ... gewährleistet." 2)

Dieser Zwang zur Formulierung einer für die Frauen der alten und neuen Bundesländer akzeptablen und zugleich FdGO-konformen Abtreibungsregelung hat in jüngster Zeit einige gesetzgeberische Phantasie freigesetzt, besonders bei den Freien Demokraten. Die Situation ist weiterhin dadurch in Fluß geraten, daß das Land Bayern eine Aushöhlung der in Westdeutschland gültigen restriktiven Abtreibungsregelung durch die häufige Inanspruchnahme der "sozialen Notlagenindikation" vermutet und aus diesem Grund Anfang März 1990 eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht hat.

August 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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