Ausgabe Februar 1991

Über die ökonomische Reformfähigkeit der Sowjetunion

Durchsetzungs- und Funktionsbedingungen marktwirtschaftlicher Institutionen und Prozesse

Der folgende Beitrag knüpft an meinen Aufsatz in den "Blättern" 12/1990 an. Ausgehend von der in jüngerer Zeit in der UdSSR obwaltenden Markteuphorie wurde dort die 1988 offen aufbrechende Wirtschaftskrise als Hintergrund des abrupten Umschwungs der öffentlichen Meinung zugunsten von Markt- und Privatwirtschaft verdeutlicht, wurde die reformkonzeptionelle und -politische Entwicklung zwischen Herbst 1989 und 1990, die sich in hektischer Erarbeitung und Propagierung alternativer Reformprogramme und in der Polemik zwischen deren Protagonisten vollzog, in groben Zügen nachgezeichnet und schließlich die beiden zuletzt (d.h. vor der Entscheidung des Obersten Sowjets im Oktober 1990) maßgeblichen konkurrierenden Versionen in ihren Grundzügen charakterisiert. Im folgenden sollen nach allgemeinen Ausführungen zum Problem "Markt im Sozialismus" generelle und aktuelle Voraussetzungen der Durchsetzung funktions- und konsensfähiger marktwirtschaftlicher Institutionen, Verhaltensweisen, Prozesse und Rahmenbedingungen erörtert und ihr Vorliegen oder Fehlen in der UdSSR diskutiert werden.

I

In diesem Beitrag werden die aktuellen sowjetischen Absichten und Ansätze zu einem abrupten Übergang zur Marktwirtschaft mit großer Skepsis beurteilt.

Februar 1991

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.