Ausgabe Juni 1991

Ostpolitische Verantwortung.

Osteuropa und die Deutschen - 50 Jahre danach

Vor 50 Jahren, am 22. Juni 1941, fiel die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein. Im April des gleichen Jahres wurde neben Griechenland auch Jugoslawien von den Deutschen besetzt. Und zerteilt. Ganz Ost- und Südosteuropa war damit in den von Deutschland entfesselten Weltkrieg hineingezogen, der mit der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1938/39 und Polens 1939 begonnen hatte. Fünf Jahrzehnte später befindet sich das östliche, mittel- und südöstliche Europa in Krise und Zerfall, auf der mühseligen Suche nach einem Neuanfang und nach Partnern, die beim wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau helfen können. Viele Blicke richten sich auf die, soeben wiedervereinigten, Deutschen. Die Bundesrepublik hat keinen Zweifel daran gelassen, daß sie Osteuropa, die Sowjetunion eingeschlossen, als eine Region von wie es auf amerikanisch so unverblümt heißt- "vital interest" betrachtet. Und für die meisten Länder der Region ist die Bundesrepublik einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste, Außenhandelspartner und Kreditgeber. In der Tradition der sozialliberalen "neuen Ostpolitik" hat Genscher als einer der ersten Politiker im Westen auf Gorbatschow gesetzt.

Juni 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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