Kann man hinsichtlich der meisten Folgen des Putschversuchs vom 19. August 1991 sagen, daß sie auf eine Weiterführung von Gorbatschows Politik mit anderen Mitteln nämlich konsequenter, beschleunigt und rücksichtsloser - hinauslaufen, so gilt das nicht für die KPdSU. Die älteste kommunistische Partei ist ziemlich ruhmlos von der politischen Bühne abgetreten. Die unmittelbare Beteiligung von Führungsmitgliedern am Putsch, die zumindest abwartende, vielfach offen unterstützende Haltung des Parteiapparates boten der Koalition um Jelzin den seit langem gesuchten Anlaß zum faktischen Verbot der Partei. Die Konzeption Gorbatschows, die KPdSU schrittweise in eine Parlamentspartei sozialdemokratischen Typs zu verwandeln, die sich z.B. in dem kürzlich veröffentlichten Programmentwurf abzeichnete, ist damit gegenstandslos geworden. Mit vielleicht wenigen Ausnahmen wie in Kasachstan wird den kommunistischen Parteien bzw. ihren Nachfolgern ähnlich wie in Osteuropa die Rolle stark geschrumpfter, unter erheblichem Druck stehender Oppositionsparteien zufallen. Der Leningrader Parteisekretär Gidaspow rechnet mit einem Mitgliederverlust von mindestens 80%, was in der Größenordnung den osteuropäischen und ostdeutschen Erfahrungen entspricht.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.