Ausgabe April 1992

Die Welt als Schrebergarten

Der technische Aufwand ist beträchtlich: sechs Diaprojektoren sind durch Computer so gesteuert, daß jeweils drei von ihnen zusammen ein einziges Bild auf eine Leinwand werfen, die gut 30 Meter breit ist. Sie sind so perfekt justiert, daß die Grenze zwischen den Drittel-Bildern kaum bemerkbar ist. Der Bildwechsel ist sanft überblendend, gelegentlich stehen auch drei verschiedene Bilder nebeneinander. Diesseits der Grenze zum Breitwand-Kino dürfte es nichts besseres geben. Zu Beginn sieht man eine Einleitung, die mit Musik untermalt ist, da geht das Ganze noch ein wenig in Richtung Hollywood.

Dann ist es zu Ende mit der träumerischen Hingabe an das weite Land. Ein bärtiger Mann tritt auf und erzählt. Er tut dies etwa so, wie viele der Anwesenden es bei ihren eigenen Dias auch tun würden: ein privater Kommentar wird improvisiert, manchmal sich unbeholfen an den Photos orientierend, in dem die kleinen Erlebnisse am Rande der großen Reise die größte Rolle spielen. Die "Nordroute" - Kanada und Alaska - sind das diesjährige Hauptthema des bekanntesten Berufs-Reisenden Leosch Schimaneck. Die Plakate kündigen ein sensationelles optisches Erlebnis an, rühmen die dazu aufgewendete Technik, nicht ohne die beteiligten Kamera- und Filmproduzenten zu erwähnen, und versprechen großartige, unberührte Natur. Welches Land bereist wurde, ist fast gleichgültig.

April 1992

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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