Ausgabe Februar 1992

Säuberungen

Am 26. November wurde Heinrich Fink, der im April 1990 gewählte Rektor der Humboldt-Universität in Berlin, fristlos entlassen, weil er, so die zuständige Behörde, als informeller Mitarbeiter für die Staatssicherheit "tätig gewesen" sei. Fink bestreitet diese Behauptung; belegen läßt sie sich nicht, weil die ihn betreffenden Akten im Dezember 1989 gelöscht worden sind. Was an Beweisen vorliegt, besagt nur, daß es eine Akte unter dem Decknamen "Heiner" gab und daß Fink als Theologe mit guten Kontakten zur Friedensbewegung und zum westlichen Ausland von der Stasi als wichtig angesehen wurde.

Ob die Kündigung mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbar ist, muß sich zeigen; die Eile, mit der der Wissenschaftssenator vor der anstehenden Rektorwahl mit angeblich gesicherten Erkenntnissen aufwartete, ist eher verdächtig. Mich interessieren an diesem Fall zwei Fragen, die für den ganzen schmerzlichen Prozeß der Wiedervereinigung wichtig sind: Was ist und woran erkennt man einen IM, einen informellen Mitarbeiter der Stasi? Was bedeutet es, die Vergangenheit aufzuarbeiten: Die gegenwärtig laufenden Verfahren verletzen nach meiner Ansicht elementare Rechtsgrundsätze.

Februar 1992

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.