Ausgabe Februar 1992

Statt eines Artikels

Für die "Blätter" zur aktuellen Situation und zu deutschen Perspektiven etwas zu schreiben - dieses freundliche Ansinnen erreicht mich zur Unzeit, und zwar keineswegs aus persönlichen Gründen. Zum einen bewegt sich das Ereignishafte jetzt fast immer auf der Überholspur, man bekommt die Katze nicht einmal mehr am Schwanz zu fassen, zweitens stinkt die politische Kloake in Bonn, Washington, in der ehemaligen Sowjetunion derart, daß man sich nur lächerlich machen könnte, wollte man dagegen anschreiben. Ich habe einmal, lang ist's her, die Unterscheidung zwischen Tätern und Merkern in die politische Debatte eingeführt.

Den letzteren zugehörig, habe ich mich nie dem Wahn hingegeben, mit der Schreibmaschine und ganz ohne "Hausmacht" Täter werden zu können - allenfalls ein kleines bißchen in den 60er Jahren -, aber immerhin glaubte ich Zielgruppen ansprechen, sie in ihren vorgegebenen Überzeugungen bestärken zu können. Wenn ich nun sage, ich sähe diese Zielgruppe nicht mehr, so lege ich damit anscheinend auch die Axt an die publizistischen Wurzeln der "Blätter", von "konkret", der "Weltbühne", die eine linke Zielgruppe voraussetzen müssen, sich mit dem Verkauf ihrer Ausgaben more or less bestätigt sehen. Wäre es anders, keines der genannten Organe hätte "die Wende" überlebt.

Februar 1992

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.