Ausgabe Juli 1992

Schaukämpfe

Im neuen dualen System sind die privaten Anbieter von Fernsehprogrammen laut Gesetz verpflichtet, auch bildende und informative Sendungen auszustrahlen, deren Anteil an der Sendezeit festgelegt ist. Dieser Zwang führt dazu, daß solche Programmteile faktisch aus der kommerziellen Logik herausfallen: Sie unterliegen nicht dem Einschaltquoten-Diktat. Theoretisch werden sie auch dann weiterlaufen können, wenn ihnen keiner mehr zuschaut.

Trotzdem erscheint dies wenig anstrebbar. Das nicht geschriebene andere Gesetz, nach dem die Privaten angetreten sind, das der Unterhaltung, erlaubt keine Lücken in der ständigen Reizakkumulation - es könnten Zuschauer, die zum Beispiel bei Alexander Kluges Magazin Zehn vor elf vorübergehend (von RTL plus) zu einem anderen Kanal wechseln, ja nicht mehr zurückschalten. Ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma wird unter Fernsehforschern mit einem neuen Schlag-Halbwort bezeichnet: -tainment. Abgeleitet aus dem englischen "entertainment", läßt es sich mit anderen Worten zusammensetzen (infotainment etwa) und bezeichnet den Versuch, der jeweiligen Sendesparte oder -gattung so viel Anteile an Unterhaltung beizumischen, wie es den Machern als nötig erscheint, um das ganze attraktiv zu machen.

Juli 1992

Sie haben etwa 28% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 72% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.