Ausgabe März 1992

Akzeptanz von Dominanz.

Karl Otto Hondrichs Essay Lehrmeister Krieg

Die These "Wir (Amerikaner/Europäer) sind zur Dominanz verurteilt" steht - ausgesprochen oder unausgesprochen - im Zentrum der Debatte, die das 1492-Heft der "Blätter" und speziell die Beiträge von Gronemeyer/Leggewie, Markovits/Hess und Halliday ausgelöst haben. Urheber der Dominanz-These ist der Frankfurter Soziologe Karl Otto Hondrich, der sie vor einem Jahr in einem Essay zum Golfkrieg aufstellte. Soeben hat er diesen Essay zum Buch erweitert und unter dem Titel "Lehrmeister Krieg" veröffentlicht. Dessen Vorstellung dürfte der Dominanz-Kontroverse deutlichere Konturen verleihen, die Dimension des Streits klären und weiterführende Fragen erschließen helfen. Hondrich untersucht, angestoßen von deutscher Verunsicherung durch die Golfkriegserfahrung, in sehr generalisierender Manier den "Sinn des Krieges". Er erkennt ihn "im kollektiven Lernen wider Willen." Da, daß der Krieg überhaupt sinnvoll sein könne, ein "eher empörender" Gedanke sei, bedarf H's Zugangsversuch "der soziologischen Verfremdung des moralischen Blickes auf den Krieg." Leider gelingt es dem Autor keineswegs, die angekündigte analytische Nüchternheit durchzuhalten.

März 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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