Ausgabe November 1992

Der Mythos von der vierten Gewalt

US-Medien und Golfkrieg

In seinem Album "Bruce Springsteen and the E Street Band Live/1975-85" erzählt der Rockmusiker als Einleitung zu dem Protestlied "Krieg" 1) von seinen Teenager-Erfahrungen: Damals hätten die jungen Männer nicht viel gewußt von einem Land namens Vietnam. Viele seien aber in den Krieg gegangen, und viele nicht zurückgekommen. Springsteen warnt seine Fans: "Blindes Vertrauen in eure Führer oder in sonst was wird euch das Leben kosten." Bob Dylan hat "War" während der Golfkrise wieder gesungen, unerwartet in einer dieser glitzernden TV-Shows, wo sich die Stars Auszeichnungen abholen. Zu dieser Zeit war der Song wohl das einzige Anti-Kriegslied im nationalen Fernsehen. Die Amerikaner wußten nicht viel von einem Land namens Irak. "Blindes Vertrauen" auf ihren Führer hatten sie noch nicht; das stellte sich bei den meisten anscheinend ein, als Präsident George Bush im Januar 1991 nach massiven Propagandakampagnen Irak bombardieren ließ und abweichende Meinungen aus der Diskussion ausgeschlossen wurden. Das Leben gekostet hat der Krieg nur wenige US-Amerikaner. Tot waren die anderen.

Falschinformationen im Golfkrieg

Wie heißt es doch: Eine Demokratie funktioniert nur, wenn das Volk informiert ist. Nach diesem Prinzip ist es trotz CNN schlecht bestellt um die USA.

November 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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