Ausgabe April 1993

Abschied von der Arbeitsmarktpolitik?

Angesichts der dramatischen Beschäftigungssituation im Osten Deutschlands sollte nicht übersehen werden: Die Arbeitsmarktpolitik hat im Transformationsprozeß der ostdeutschen Länder bisher Beachtliches geleistet, um die schlimmsten sozialen Verwerfungen und den völligen Zusammenbruch des Arbeitsmarktes zu verhindern.

1. Expansiver arbeitsmarktpolitischer Kurs

Ohne den Einsatz von Kurzarbeit, Fortbildung und Umschulung, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie Vorruhestands- und Altersübergangsgeld wäre die registrierte Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland etwa zweieinhalbmal so hoch wie offiziell ausgewiesen. Immerhin ist der Arbeitsmarkt dort 1991 und 1992 durch o.g. Instrumente um durchschnittlich jeweils ca. 1,8 bis 1,9 Mio. Personen entlastet worden.

Damit griff man in einer historisch einmaligen Arbeitsmarktsituation in einem bisher nicht gekannten Ausmaß auf die Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik zurück. Zunächst wurden - im Sinne einer "Feuerwehrfunktion" - traditionelle und in den alten Bundesländern bewährte Instrumente der Arbeitsförderung auch im Osten angewendet. Maßnahmen, die ursprünglich für die individuelle Überbrückung konjunkturell bzw.

April 1993

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema