"Mein ist die Rache, spricht der Herr." Mit der Unantastbarkeit dieses Monopols für die nur dem Gesetz unterworfenen Organe der rechtsprechenden Gewalt steht und fällt die Rechtskultur, mit der steht und fällt, was zu den Minima Moralia der westeuropäischen Zivilisation gehört. Dem nach der Süßigkeit der Rache lechzenden "Rechtsstaat" des "vereinten Deutschland" waren sie bislang noch als dünner Firnis verblieben. Daß auch der nun in der "Zeitung für Deutschland" etwas unvorsichtig abgekratzt wurde, ist der Inkontinenz des dort für Justizielles zuständigen Experten zu danken. Wer Augen hat zu lesen, der lese - aber bitte jetzt, nicht später, wenn ihm die Augen nicht mehr auf-, sondern nur noch übergehen können -, was der Herold des wiedervereinigten deutschen Rechtsstaats nach der Verunfallung des Richters Bräutigam in dem angeblich strafgerichtlichen Verfahren gegen Erich Honecker ganz ungeschützt und urbi et orbi, nämlich rechts oben auf der Seite 1 der FAZ vom 6. Januar 1993 (fr.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.