Ausgabe Juli 1993

Solidarität als knappes Gut

Der Wandel der Gesellschaft und die Zukunft der Sozialpolitik

Am 27. Mai 1993, unmittelbar nach der Änderung des Asylrechts und vor den Morden von Solingen, kündigte Finanzminister Waigel angesichts der "schärfsten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik" die Kürzung staatlicher Leistungen in Höhe von 20 Mrd. DM an: Haushaltskonsolidierung durch Sozialabbau. Die beabsichtigte Demontage des Sozialstaates auf dem Wege eines "Spar- und Konsolidierungsgesetzes" soll jene Bereiche treffen, die schon bei den Diskussionen um den Solidarpakt ganz oben auf der Regierungsliste gestanden hatten: Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe, Erziehungsgeld und Mutterschaftspauschale, Kindergeldzahlungen, Ausbildungsförderung und Wohngeld. Nicht die neu drohende Umverteilung (siehe Wolfgang Bayer und Elisabeth Horstkötter, Solidarität statt "Solidarpakt". Daten und Kriterien zur deutschen Umverteilungsdebatte, in: "Blätter", 3/1993 steht im Mittelpunkt des folgenden Beitrags. Vielmehr geht es um die Grundzüge einer den vielfältigen gesellschaftlichen Wandel berücksichtigenden und aufnehmenden Sozialpolitik, die am Leitmotiv sozialer Gerechtigkeit festhält - Überlegungen, die ihren Wert gerade angesichts einer öffentlichen Debatte gewinnen, die auf die Konkurrenz von Streichposten fixiert ist.

Juli 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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