Ausgabe Mai 1993

Das Verhältnis der Gewerkschaften zur staatlichen Hochschulpolitik

Ein Beitrag zum wissenschaftspolitischen Programm der GEW

1. Gewerkschaft in der veränderten Demokratie

Die Gewerkschaften haben nach 1945 einen komplizierten Prozeß der Integration in das herrschende Wirtschafts- und Sozialsystem durchgemacht, der sie zugleich zu einer akzeptierten kritischen Instanz und zu einem selbst an der Machtausübung beteiligten Element dieser Herrschaft werden ließ. Für sie gilt, was Pascal Bruckner für die Demokratie in den letzten Jahren allgemein - zu allgemein - konstatiert: "Letztlich ist es unwesentlich, ob diese Staatsform im Namen einer organischen Vision des Gesellschaftskörpers oder einer unnachgiebigen Auffassung von Gerechtigkeit herabgewürdigt wird. Für die einen wie die anderen ist sie mittelmäßig und schädlich zugleich. Indem sie mit ein und derselben Geste zur Befreiung und zum Gehorsam aufruft, geht sie daran, alle beide zu verfehlen und die Bürger - unter Beibehaltung der Ungleichheiten - aufzusplittern." (P. Bruckner. Die demokratische Melancholie, Hamburg 1991, S. 16) Der Prozeß ist in Barbara Kehms Dissertation "Zwischen Anpassung und Integration" (Opladen 1990) hinreichend deutlich beschrieben worden. Ihrer Ableitung schließe ich mich weitgehend an.

Mai 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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