Ausgabe November 1993

Rußland nach der Oktoberkrise

Sonntagnachmittag. Aufbruch der paramilitärischen Kampfgruppen der Parlamentsseite vom Weißen Haus zum Fernsehzentrum Ostankino. "Doch die Hauptmasse der Sturmtruppler klettert eilig in Busse und von der Miliz beutete, Neugierigen erklären sie, daß Ruzkoj befohlen hat, rasch das Fernsehzentrum zu nehmen, da man dem Volk umgehend ein wahres Wort sagen müsse. Ein geschlagener Sonderpolizist, der aber das Gefühl für Humor nicht verloren hat, fährt mich für ein ganz bescheidenes Entgelt dorthin." Montagmorgen. Vorgehen der präsidententreuen Truppen auf das Weiße Haus. "Die Soldaten beginnen nervös, die oberen Etagen der umstehenden Häuser über die Läufe ihrer Maschinenpistolen abzusuchen, bereit, bei der kleinsten Bewegung zu schießen. Da rührt sich etwas in den oberen Etagen des Neubaus der amerikanischen Botschaft! Sofort eröffnen einige Krieger das Feuer. Wir schreien dem Leutnant durch das Geknatter zu: 'Das ist die amerikanische Botschaft, nicht schießen! Nicht schießen!' (...) Der Leutnant befiehlt, das Feuer einzustellen, und flucht lästerlich. Erneut eine Bewegung am Glockenturm links von uns. Und schon ergießt sich ein Kugelregen über den Glockenturm. Aus irgendeinem Haus springt ein Fallschirmjägeroffizier und schreit: 'Nicht schießen! Da sitzt unser MG-Schütze, nicht schießen!' Das Feuer erstirbt.

November 1993

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.