Sonntagnachmittag. Aufbruch der paramilitärischen Kampfgruppen der Parlamentsseite vom Weißen Haus zum Fernsehzentrum Ostankino. "Doch die Hauptmasse der Sturmtruppler klettert eilig in Busse und von der Miliz beutete, Neugierigen erklären sie, daß Ruzkoj befohlen hat, rasch das Fernsehzentrum zu nehmen, da man dem Volk umgehend ein wahres Wort sagen müsse. Ein geschlagener Sonderpolizist, der aber das Gefühl für Humor nicht verloren hat, fährt mich für ein ganz bescheidenes Entgelt dorthin." Montagmorgen. Vorgehen der präsidententreuen Truppen auf das Weiße Haus. "Die Soldaten beginnen nervös, die oberen Etagen der umstehenden Häuser über die Läufe ihrer Maschinenpistolen abzusuchen, bereit, bei der kleinsten Bewegung zu schießen. Da rührt sich etwas in den oberen Etagen des Neubaus der amerikanischen Botschaft! Sofort eröffnen einige Krieger das Feuer. Wir schreien dem Leutnant durch das Geknatter zu: 'Das ist die amerikanische Botschaft, nicht schießen! Nicht schießen!' (...) Der Leutnant befiehlt, das Feuer einzustellen, und flucht lästerlich. Erneut eine Bewegung am Glockenturm links von uns. Und schon ergießt sich ein Kugelregen über den Glockenturm. Aus irgendeinem Haus springt ein Fallschirmjägeroffizier und schreit: 'Nicht schießen! Da sitzt unser MG-Schütze, nicht schießen!' Das Feuer erstirbt.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.