Sonntagnachmittag. Aufbruch der paramilitärischen Kampfgruppen der Parlamentsseite vom Weißen Haus zum Fernsehzentrum Ostankino. "Doch die Hauptmasse der Sturmtruppler klettert eilig in Busse und von der Miliz beutete, Neugierigen erklären sie, daß Ruzkoj befohlen hat, rasch das Fernsehzentrum zu nehmen, da man dem Volk umgehend ein wahres Wort sagen müsse. Ein geschlagener Sonderpolizist, der aber das Gefühl für Humor nicht verloren hat, fährt mich für ein ganz bescheidenes Entgelt dorthin." Montagmorgen. Vorgehen der präsidententreuen Truppen auf das Weiße Haus. "Die Soldaten beginnen nervös, die oberen Etagen der umstehenden Häuser über die Läufe ihrer Maschinenpistolen abzusuchen, bereit, bei der kleinsten Bewegung zu schießen. Da rührt sich etwas in den oberen Etagen des Neubaus der amerikanischen Botschaft! Sofort eröffnen einige Krieger das Feuer. Wir schreien dem Leutnant durch das Geknatter zu: 'Das ist die amerikanische Botschaft, nicht schießen! Nicht schießen!' (...) Der Leutnant befiehlt, das Feuer einzustellen, und flucht lästerlich. Erneut eine Bewegung am Glockenturm links von uns. Und schon ergießt sich ein Kugelregen über den Glockenturm. Aus irgendeinem Haus springt ein Fallschirmjägeroffizier und schreit: 'Nicht schießen! Da sitzt unser MG-Schütze, nicht schießen!' Das Feuer erstirbt.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.