Ausgabe September 1993

Arbeit und Umwelt

Perspektiven für das 21. Jahrhundert

1. Kostet Umweltschutz Arbeitsplätze?

Bis in die jüngste Zeit hat sich die Vorstellung in unserer Gesellschaft gehalten, daß Umweltschutz Arbeitsplätze kostet. USPräsident Clinton sah sich gezwungen, im Februar dieses Jahres in die Nordwest-Staaten zu fliegen, um dort einem Tribunal vorzusitzen, welches die Frage entscheiden sollte, ob und in welchem Umfang Wälder vor dem Abholzen geschützt werden sollten, um den Lebensraum der gefährdeten Gefleckten Eule zu erhalten und wieviele Jobs dafür geopfert werden müßten. "Save a logger, kill an owl" war der landesweit zu hörende Streitruf der Holzarbeiter und ihrer Firmen und Gemeinden.

Nun war der "Thomas-Bericht", an dem sich alles vor drei Jahren entzündete, auch ziemlich primitiv gestrickt und angreifbar. Weil die Gefleckte Eule eine gefährdete Tierart sei, müßten fast eine Million Hektar Land, eine Fläche fast halb so groß wie Hessen, in Naturschutzgebiet umgewandelt werden. Und die Holzwirtschaft hatte es nicht schwer zu behaupten, daß das 150 000 Arbeitsplätze kosten würde, eine schlechthin katastrophale Aussicht für ein dünnbesiedeltes Land, in dem fast alles am Holzverkauf hängt. Man hat sich schließlich auf irgendeinen quantitativen Kompromiß geeinigt.

September 1993

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema