Ausgabe Mai 1994

Notlösungen mit Zukunft

Die Renaissance der Arbeitszeitverkürzung

Ein schon totgeglaubter Gedanke ist zu neuem Leben erwacht: die Arbeitszeitverkürzung. Noch im Spätherbst 1993 war Kanzler Kohl drauf und dran, mit seinem Vorstoß zur Reduzierung der Öffnungszeiten des "Freizeitparks Deutschland" die Meinungsführerschaft zu erringen. Eine Mehrheit in den Arbeitgeberverbänden insbesondere der Metallindustrie - hatte zu einer "Reconquista in der Tarifpolitik" 1) angesetzt. Das erste kräftige Signal in die entgegengesetzte Richtung kam aus Wolfsburg. Mit der im Dezember 1993 abgeschlossenen Vereinbarung der 28,8-Stunden-Woche und weiterer arbeitszeitverkürzender Maßnahmen werden die drohenden katastrophalen Auswirkungen des Nachfragerückgangs und des durchgreifenden Rationalisierungsprogramms auf den Beschäftigungsstand in diesem Unternehmen gedämpft. Zur gleichen Zeit wurden eine Reihe weiterer Verträge auf betrieblicher bzw. Unternehmensebene abgeschlossen, die sich in vielen wichtigen Details vom VW-Modell unterscheiden, jedoch auf einem ähnlichen Grundgedanken aufbauen. Vorreiter waren Unternehmen der Metallindustrie wie Mercedes-Benz, aber auch der Ruhrbergbau.

Mai 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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